Umbauten der neuen Eigentümer

Im Lauf der 1950er Jahre leerte sich das Haus allmählich. Viele Vertriebene fanden in Gemmingen eine neue Heimat und suchten sich – als das Wirtschaftswunder allmählich Fahrt aufnahm – ein neues Zuhause. Manche blieben im Ort, andere zogen weiter.

Tatsächlich gab es im Verlauf der langen Planungs- und Vorbereitungsphase zahlreiche Begegnungen und Gespräche mit ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern des Gebäudes, deren Geschichten und Bilder durchaus hier stehen könnten. Wer seine Erinnerungen an das Rentamt teilen möchte, kann sich hier mit mir in Verbindung setzen.

Treppenaufgang von der Halle ins Obergeschoss
Treppenaufgang von der Halle ins Obergeschoss

Auch die jetzigen Eigentümer setzen diese Tradition fort und markieren – an hoffentlich bleibender Stelle – Teile ihrer Arbeiten am Gebäude.

Letztlich blieb eine große Familie übrig, die das Rentamt von der Gemeinde erworben hat und deren letzter Bewohner erst in den frühen 2010er Jahren starb. Diese Familie bewohnte das Gebäude über zwei, drei Generationen und nahm kleinere Renovierungsarbeiten vor, die mit Besitzerstolz an den jeweiligen Gewerken dokumentiert wurden und zur Hausgeschichte gehören.

Küchendetail im OG mit Holz- und Elektroherd
Nachträglich eingebautes Badezimmer im OG. Oben im Bild das Rauchrohr des holzbefeuerten Boilers

In diesen Jahren wurde am Rentamt selbst nur wenig verändert, aber einiges erneuert. Letztlich verblieb das Haus auf dem Wohnstandard der 1960er Jahre. Es gab bis zum Schluss keine Zentralheizung, nur Herde und Kachelöfen, ein Badezimmer im Obergeschoss wurde eingebaut, die mutmaßlich noch barocken Fenster wurden sukzessive erneuert, sodass bis heute lediglich fünf Fenster aus dem frühen 18. Jahrhundert überlebt haben.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren zahlreiche Schäden an dem jahrhundertealten Gebäude nicht länger zu ignorieren, die wesentlich auf die problematische Erweiterung von 1717 zurückzuführen sind. Hierzu zählen vor allem Feuchteschäden im Bodenbereich des Erdgeschosses, die über den Kriechkellern und Schweineställen entstanden sind.

Zustand 2014. Die Kellerdecke an der nordwestlichen Gebäudeecke ist bereits wegen Baufälligkeit entfernt gewesen.
Zustand Juli 2015. Oberflächlich ist in diesem Raum alles in Ordnung
Zustand Juli 2015 an der nordöstlichen Gebäudeecke, links neben dem Kellerhals

Unter der Erweiterung des Gebäudes von 1717 befindet sich ein Halbgeschoss, über das der Keller entfeuchtet und belüftet wird und das mutmaßlich als Stallung genutzt wurde. Die feuchte Kellerluft in Verbindung mit den Ausscheidungen der Tiere und ihrer ebenfalls feuchten Atemluft beschädigten den Holzfußboden, der im Lauf der Jahrhunderte wohl schon mehrfach erneuert worden war. Jetzt waren auch die Balken irreparabel geschädigt und teilweise vom braunen Kellerschwamm befallen bzw. zeigten deutliche Anzeichen des Würfelbruchs, sodass sämtliche Böden und Tragbalken entfernt und durch einen neuen Bodenaufbau – eine Betonplatte – ersetzt werden mussten.

Zustand Juli 2016 an der südöstlichen Gebäudeecke. Der morsche Dielenboden wird entfernt. Die Helligkeit unter dem Fußboden rührt von den geöffneten Stalltüren her.
Zustand Dezember 2017. Die nordöstliche Kellerdecke über der Gebäudeerweiterung ist freigelegt. Die schwammbefallenen Balken und Balken mit Würfelbruch harren des Ausbaus.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.