Energetische Sanierung

Denkmalpflegerische Aktivitäten werden häufig in einen engen Zusammenhang mit der Nachhaltigkeitsdebatte gebracht. Wer ein denkmalgeschütztes Gebäude erwirbt und saniert, leistet gleichzeitig einen aktiven Beitrag zum Umweltschutz, weil damit durch Weiterverwendung bereits genutzter Ressourcen – seien es nun nachwachsende Rohstoffe wie Holz oder energieintensiv zu verarbeitende wie Glas oder Beton – die Umwelt geschützt wird und außerdem der Flächenverbrauch – das Denkmal steht ja bereits -reduziert wird. Außerdem lässt sich ein Denkmal mit vertretbarem Aufwand energetisch weiter optimieren, so dass durch Erhalt und Sanierung ein doppelter Beitrag zum Umweltschutz geleistet wird, der außerdem noch durch verschiedene Förderungen erleichtert wird. Vom kulturellen Beitrag zur Rettung des Abendlandes, der durch den Erhalt eines Kulturdenkmals geleistet wird, jetzt mal ganz abgesehen. So oder so ähnlich funktionieren die ‚großen Erzählungen‘, die von den zuständigen Behörden, Stiftungen, interessierten Unternehmen und natürlich auch Eigentümern kolportiert werden.

Das ist – auch ich bin schließlich Eigentümer – sicher nicht falsch, aber gerade im Denkmalbereich etwas differenzierter zu betrachten, weil zahlreiche, teilweise durchaus einander widersprechende oder zumindest nur schwierig und mit hohem finanziellen und materiellen Aufwand zur Deckung zu bringende Anforderungen und Akteure im Spiel sind.

Für das Kulturdenkmal ‚Altes Rentamt‘ sei beispielhaft die Fassadensanierung genannt. Die Außenwände bestehen aus einem verputzen Natursteinsockel, der im Obergeschoss und Dachstock von einer Fachwerkkonstruktion abgelöst wird, die – obwohl eigentlich als Sichtfachwerk angelegt – irgendwann ebenfalls vollflächig verputzt wurde und erst bei der Sanierung von 1914 wieder freigelegt wurde. Die Sichtbarkeit des Fachwerks ist aus denkmalpflegerischer Sicht unbedingt zu erhalten. Genauso sichtbar erhaltenswert sind übrigens auch die Sandstein-Eckquader, die ebenso zur Charakteristik des Hauses gehören wie die ebenfalls aus Sandstein gehauenen Portale an Haus- und Kellereingang sowie die Sandsteinumrahmungen der Erdgeschossfenster und Kellerluken. Die hölzernen Fensterumfassungen und Klappläden gehören natürlich auch zum schützenswerten Bestand.

Alles spricht also, um einen möglichst effizienten Umgang mit Heizenergie zu gewährleisten, für eine umfassende Innendämmung. Allerdings besitzen viele Denkmale nicht nur eine geschützte Fassade, sondern auch weitere geschützte Elemente im Inneren – das kann die Raumgliederung sein, das können aber auch Lambris oder ‚Scheuerleisten‘, Stuckelemente oder historische Tapeten, Fensterverkleidungen oder sonstige Elemente sein.

So sind wir mitten im Dilemma gelandet und die Aussage einschlägiger Fachleute, dass es für alles eine Lösung gäbe, ist zwar richtig, berücksichtigt aber den Kosten- und Amortisationsaspekt nur unzureichend. Was also tun? – Das Machbare und das Finanzierbare.

Bauphysik

Dass gut gemeint nicht unbedingt gut gemacht bedeutet, haben die zahlreichen Verschlimmbesserungen des 20. Jahrhunderts am Haus gezeigt. Mehrere zerlegte Kühlschränke, die bei den Rückbauten im Dachgeschoss ans Tageslicht gekommen sind und wohl als Beiträge zur Energieeffizienz zu werten sind, gehören dabei zu den Kuriositäten, die zwar Kopfschütteln hervorrufen, aber keine Schäden verursachen. Schlimmer waren da die in mehreren Schichten eingebrachten, hinter Holzverkleidungen mit der Außenwand in Feuchträumen verklebten Styroportafeln, die teilweise starken Schimmelbefall nach sich zogen.

Deshalb ist bei solchen die Energieeffizienz steigernden Maßnahmen unbedingt ein altbauerfahrenes Fachplanungsunternehmen für Bauphysik hinzuzuziehen, das sinnvolle Maßnahmen identifiziert und deren Umsetzung begleitet. Plant man, eine entsprechende Förderung etwa bei der KfW zu beantragen, ist die Einschaltung eines Büros mit entsprechender Expertise sogar notwendig.

Kellerdecke und oberste Geschossdecke

Da im Dachgeschoss sowieso zahlreiche Rückbauarbeiten nötig waren und die statischen Berechnungen die Nichtnutzbarkeit des Dachgeschosses ergaben, war klar, dass auf die oberste Geschossdecke eine Isolierung kommt, um den Wärmeverlust auf der ziemlich großen Grundfläche von ca. 220 qm möglichst gering zu halten. Aufgrund der unebenen Oberfläche wurde eine Isolierung mit Dämmflocken ausgewählt, die vollflächig und offen aufgebracht wurde. Laufstege ermöglichen die Kontrolle der gesamten Dachfläche und führen zu den Schornsteinen sowie zur Treppe in die darüber liegenden weiteren zwei Dachgeschosse. Da dieses erste Dachgeschoss durch die notwendigen statischen Elemente teilweise nur eine Durchgangshöhe von ca. 1,6 m aufweist, war diese preisgünstige Lösung das Mittel der Wahl.

Da das eigentliche Haus und der darunterliegende Keller baulich voneinander entkoppelt sind, bestand der Fußboden im Erdgeschoss lediglich aus Lagerhölzern und darüber genagelten, im Lauf der Jahrhunderte mehrfach, zuletzt in den 1950er Jahren mit Nut- und Feder-Dielen erneuerten Holzböden. Aufsteigende Feuchtigkeit führte immer wieder zu Schäden, so dass eine neue vollflächige Betondecke eingezogen wurde, die von unten mit Polystyrol gedämmt wurde. Im Erdgeschoss wird eine Fußbodenheizung eingebaut, die eine angenehme Wärme verbreitet und mit einer verhältnismäßig geringen Vorlauftemperatur auskommt.

Fenster/Türen

Neben Dach und Keller sind Fenster und Türen weitere Elemente eines Hauses, die ein hohes Energieeinsparpotential haben. Da im Rentamt noch einige wenige historische Fenster aus dem 18. Jahrhundert mit originalen Griffen und Beschlägen vorhanden sind, musste auch hier eine Lösung gefunden werden, die sowohl denkmalpflegerische Vorstellungen als auch moderne Komfortansprüche befriedigt. Als Lösung wurde zuerst eine Wiederherstellung der historische Fassadengliederung unternommen, in die dann Sprossenfenster mit Isolierverglasung nach historischem Vorbild eingebaut wurden.

Die noch vorhandenen denkmalgeschützten, einfach verglasten bauzeitlichen Fenster wurden behutsam restauriert und wieder eingebaut. Mit einem von innen montierten Isolierglasfenster wird das historische Fenster zum Kastenfenster aufgerüstet und erfüllt so moderne Ansprüche unter Beibehaltung der ursprünglichen Optik.

Eine weitere schwer lösbare Herausforderung stellte die Ertüchtigung der Außentüren dar. Wurde die Gartentüre durch eine moderne, im oberen Bereich verglaste ‚Nebeneingangstüre‘ ersetzt und die historische Türe nur noch als Dekoration daneben gehängt, muss die historische Eingangstüre den modernen Anforderungen an Sicherheit und Wärmedämmung zumindest nahekommen. Dazu wurde zunächst die vorhandene Pressspanaufdopplung entfernt und die Türbohlen mit Holz sowie einer umlaufenden Gummidichtung abgedichtet bevor sie optisch wieder in einen ansprechenden, möglichst originalen Zustand versetzt wurde. Dazu zählt auch der Einbau eines bauzeitlichen Kastenschlosses (der vorherige Eigentümer hatte hier eine historisierende ‚Stilgarnitur‘ gewählt), das allerdings mit einem modernen Schließzylinder aufgerüstet wurde. Um Einbrüche möglichst zu verhindern, verfügt die Türe über zwei originale Riegel im oberen und unteren Bereich, die sich – allerdings nur von innen – verriegeln lassen.

Türe zum Garten mit Rohdecke und Strom- und Wasserleitungen, die in den Estrich eingegossen werden

Außenwände

Februar 2022. Aussendämmung im Bereich der Terrasse

Aus den eingangs genannten Gründen war eine vollständige Fassadendämmung nicht möglich. Weite Teile des Gebäudes bleiben somit ungedämmt. Lediglich an der Westseite, wo die Fassade wohl irgendwann erneuert und neu gegliedert wurde, befindet sich inzwischen eine Außendämmung, die Toilette, Bad und Küche dämmt. Da die hier erneuerte Fassade keinerlei Fachwerk enthält, stellt die Außendämmung hier kein größeres bauphysikalisches Problem dar und ermöglicht mit vertretbarem Aufwand angenehme Temperaturen in Küche und Bad.

Lediglich in der Gästetoilette sowie einem kleinen Bereich im Badezimmer (Südostseite) wurde eine Innendämmung an einer Aussenwand aufgebracht, an die sich die Aussendämmung von Bad und Küche anschließt. Hier befindet sich kein erhaltenswerter Wandbestand, da hier eine vor mehreren Jahren abgerissene Gebäudeerweiterung bestand. Der Durchgang zwischen den Gebäudeteilen wurde vor langer Zeit schmucklos geschlossen, so dass hier problemlos innengedämmt werden konnte.

Mitten im Gebäude befindet sich die hölzerne Treppe zum Dachstock, die vor der Sanierung neben den einfach verglasten Fenstern wohl den Ort des größten Wärmeverlusts markierten. Hier wurden Fliesen und Putz des alten Badezimmers abgeschlagen und dieselbe Dämmung wie an den Außenwände angebracht. Eine Vollholz-Nebeneingangstüre wird diese Treppe zum ungerechten Dachboden hin künftig abschließen.

Das Thema Heizung und Klima, das grundsätzlich natürlich ebenfalls zur Energetischen Sanierung gehört, wird in einem eigenen Artikel behandelt. Derzeit (Januar 2022) sind die Arbeiten an der Heizungsanlage noch nicht begonnen.

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